Achtsamkeit und Selbstfürsorge als Mama: Geht nicht, gibts nicht.

Die Begriffe Achtsamkeit und Selbstfürsorge sind gerade in aller Munde. Besonders auf Social Media Kanälen wird man, wenn man es denn zulässt, von morgens bis abends mit Tipps & Tricks, Ratgebern und Empfehlungen für ein besonders achtsames Leben überschüttet. Ich muss zugeben, mich selbst nerven diese immer gleichen, immer hohlen Phrasen sehr. Sie klingen gut, schnell nicken wir zustimmend – aber wirklich etwas verändern tun sie selten. Wie sollten sie auch? Denn eine wahre Veränderung kommt immer von innen.

Von innen nach außen

Vielleicht hast du auch schon mal versucht deinen Mama-Alltag achtsamer zu gestalten, bist aber kläglich gescheitert? Oder hast dich gefragt, wie es andere Mütter schaffen sich selbst und die eigenen Bedürfnisse nicht völlig aus dem Blick zu verlieren? Ich kann dir garantieren, dass du damit nicht alleine bist. Ein klitzekleiner, aber ziemlich wichtiger Umstand wird nämlich sehr oft eben nicht erwähnt in den DiY-Anleitungen für mehr Selbstfürsorge im Alltag:

Wahre Veränderung kommt immer von innen, aus dir heraus. Niemals von außen.

Das heißt, du kannst tausende Beiträge, Blogartikel oder Ratgeber lesen. Keiner davon wird dir abnehmen können etwas zu verändern. Das musst du alleine tun.

Warum du als Mama mehr Selbstfürsorge betreiben solltest

Die Frage die sich nun stellt, ist, warum du diese Mühe auf dich nehmen solltest. Warum solltest du als Mama dringend darauf achten mehr Selbstfürsorge zu betreiben? Ich zeige dir drei gute Gründe (obwohl es viel mehr gibt).

Achtsamkeit ist die Ausgangsbasis für ein entspanntes Familienleben

Gerade von Müttern mehrerer Kinder kommt im Zusammenhang mit mehr Achtsamkeit im Alltag oft die Frage: „Wie soll ich das denn noch nebenbei schaffen?“. Diese Frage offenbart schon ein grundlegendes Missverständnis von Achtsamkeit und Selbstfürsorge, denn beides ist nichts, was man nebenbei noch eben erledigt. Achtsamkeit und Selbstfürsorge sind keine Punkte auf deiner To Do Liste. Ganz im Gegenteil. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass du deine To Do Liste überhaupt schreiben oder abhaken kannst. 😉

Achtsamkeit bedeutet, dass wir mit offenem, positiven Geist, alle Dinge annehmen wie sie gerade sind. Dazu gehören Gedanken, Gefühle, Umstände, Probleme usw., egal wie schwierig sie auch sein mögen. Das tut erst einmal nichts zur Sache. Achtsamkeit ist eine Geisteshaltung, die dazu führt, dass wir uns weniger ausgeliefert fühlen und auch gegen Widrigkeiten mit einer gewissen positiven Grundstimmung durch unser Leben gehen. Wenn dir das schwer fällt, dann ist Achtsamkeit nichts, dass du mal eben mit ein paar eingeschobenen Meditationen herbeiführst. Es ist ein innerer Prozess und diesen anzustossen ist oft schon die halbe Miete.

Stell dir einmal vor, du wärest in der Lage so durchs Leben zu gehen. Positiv, nicht übertrieben optimistisch, aber grundlegend zufrieden. Du wärest im Einklang mit deinen Gefühlen, keines davon, weder Wut noch Freude, wären wichtiger oder schlimmer als andere. Probleme würden nicht verschwinden, aber du hättest immer die Kraft diese anzugehen. Sie würden dich nicht lähmen.

Das ist keine Zauberei und dafür benötigst du auch kein jahrelanges Training. Es bedarf ein wenig Arbeit am eigenen Mindset, keine Frage. Aber wenn du erst einmal an diesem Punkt (oder in der Nähe) angekommen bist, wirst du merken, wie positiv sich dieser achtsamere Umgang mit dir selbst automatisch auch auf deine nahestehenden, liebsten Menschen auswirkt. Ist ja auch logisch oder? Wenn du weniger im Stress bist, mehr in dir ruhst, kommt es wahrscheinlich seltener zu Konflikten oder ihr könnt diese konstruktiver lösen. Achtsamkeit und Selbstfürsorge, also etwas für DICH tun, beeinflusst immer auch deinen Familienalltag.

Selbstfürsorge füllt deine Akkus

Wir alle kennen diese Tage als Mama, da ist man gefühlt 24 Stunden auf den Beinen und dann folgt noch die Begleitung von Baby und Kind in der Nacht. Man fühlt sich leer, ausgebrannt, erschöpft und irgendwie abgekoppelt von sich selbst. Mama Burnout.

Diese Bedrohung durch ein Mama Burnout gibt es wirklich und viele Mütter sind davon betroffen, vielleicht sogar ohne es zu wissen. Dabei bist du jederzeit in der Lage (es sei denn, wir sprechen schon von drastischen, gesundheitlichen Auswirkungen. Dann konsultiere bitte umgehend einen Arzt!) deine Akkus wieder aufzuladen. Du musst nur wissen wie, es wirklich wollen und los gehts!

Selbstfürsorge findet dabei in den kleinen Dingen des Alltags statt. Es ist nicht das lange Wellness-Wochenende mit der besten Freundin, sondern es sind die zahlreichen, kleinen Mini-Auszeiten im Alltag, die deine Akkus auf einem beständig gut gefüllten Niveau halten. Einmal 5 Minuten auf dem Balkon sitzen und atmen. Die warme Badewanne. Eine halbe Stunde mit einem guten Buch entspannen. Alleine einkaufen fahren und die Musik im Auto laut drehen. Der bewusste Spaziergang mit dem Hund. Das Telefonat mit deiner Freundin. All das ist Selbstfürsorge! Jede einzelne Aktion, die du für dich tust, füllt deine Akkus.

Kinder lernen am Vorbild ihrer Eltern

In jedem unserer Kinder stecken immer auch wir Eltern, denn unsere Kinder orientieren sich an allem was wir sagen, machen und denken. Besonders in den ersten 2-3 Lebensjahren imitieren Kinder ihre Eltern noch wie kleine Papageien. Da sich ihre eigene Persönlichkeit erst nach und nach entwickelt, nehmen sie Bausteine unserer Persönlichkeit, kopieren diese und verhalten sich plötzlich wie unsere kleinen Miniausgaben. Mit steigendem Alter wird diese Ersatz-Persönlichkeit immer mehr durch die eigene Persönlichkeit abgelöst. Trotzdem beeinflussen wir Eltern unsere Kinder weiterhin enorm in ihrer Entwicklung. Wir beeinflussen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen, wie sie mit anderen Menschen oder Tieren agieren oder welche Bindungen sie ausbilden. Wir haben großen Einfluss auf sie und somit auch unser Umgang mit uns selbst.

Leben wir vor, dass wir immer zu an unsere Grenzen gehen oder darüber hinweg, um es anderen Recht zu machen? Oder leben wir vor, dass es wichtig und richtig ist Nein zu sagen?

Leben wir vor, dass wir unsere Gefühle nicht kontrollieren können, sie vielleicht sogar leugnen und die Schuld bei anderen suchen? Oder leben wir vor, dass alle Gefühle ihren Grund haben und keines davon falsch ist?

Leben wir vor, dass wir im Streit rumschreien, wir hätten niemals Zeit für uns. Aber wenn wir dann welche hätten, dann wollen wir sie lieber nicht nutzen? Oder leben wir vor, dass wir auf uns selbst achten und unsere Bedürfnisse kommunizieren?

Du siehst, dazwischen liegen Welten und es ist vollkommen okay, wenn du dich mal zu der einen Welt zugehörig fühlst, und mal zu der anderen. Worum es geht ist nur, dass wir uns unserer Verantwortung für uns und gleichzeitig der Verantwortung für unsere Kinder immer wieder bewusst werden. Denn das Eine hängt maßgeblich mit dem Anderen zusammen.

Mehr Achtsamkeit üben. Wo sind jetzt die Tipps?

Du kannst es ruhig zugeben, irgendwie hattest du auf konkrete Tipps gehofft oder? 😉 Natürlich gebe ich dir noch ein paar Tipps mit an die Hand, aber vorher möchte ich nochmal betonen:

Du musst eine Veränderung, bspw. dir endlich aktiv mehr Zeit für dich einzuräumen, wirklich wollen. Die Tipps, die du von außen kriegst, können noch so gut sein. Der Wille zur Veränderung kommt nur von innen.

Tipps für mehr Selbstfürsorge und Achtsamkeit im Mama-Alltag

  1. Tagebuch führen: Ein Tagebuch, das kennst du vielleicht noch aus deiner Jugend. Im Zusammenhang mit mehr Selbstfürsorge kann dieses dir doch auch jetzt wirklich schnell und einfach weiterhelfen. Dafür brauchst du nur ein Notizheft, einen Stift und wenige Minuten Ruhe. Du notierst, was immer dir in den Sinn kommt oder du suchst dir ein Thema aus. Beispielsweise ein Dankbarkeitstagebuch, ein Tagebuch in dem du Wünsche, Visionen festhältst oder ein Traumtagebuch. Die Auseinandersetzung mit dir selbst und deinen Gedanken, Gefühlen, kann dir dabei helfen deine Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
  2. Feste Zeiten: Oft scheitern bewusste Auszeiten aus dem trübseligen Alltag daran, dass Mütter es nicht schaffen sich wirklich rauszuziehen und sei es nur eine halbe Stunde. Wenn du merkst, dass auch dir genau das Schwierigkeiten bereitet, dann solltest du dir feste Zeiten für deine Selbstfürsorge überlegen. So könntest du jeden Tag während des Mittagsschlafs 10 Minuten für Meditation einplanen oder zwei Abende in der Woche für eine Stunde Sport. Verbindlichkeiten und Absprachen (auch mit sich selbst) helfen enorm beim Dranbleiben.
  3. Meditation: Hast du schon mal meditiert? Ich empfehle dir von Herzen es einmal auszuprobieren. Dabei musst du gar keinen großen Aufwand betreiben. Deine Meditation kannst du ganz individuell gestalten. Entweder setzt du dich in einer ruhigen Minute (sorge vorher unbedingt dafür, dass du wirklich deine Ruhe hast) auf ein Kissen auf dem Boden und versuchst deine Gedanke an dir vorbeiziehen zu lassen. Du musst nicht versuchen nicht zu denken. Es geht eher darum, dass du jeden Gedanken kurz ansiehst und dann friedlich ziehen lässt. Auch bei einem Spaziergang kannst du meditieren oder während der Einschlafbegleitung. Diese kleinen Auszeiten wirken sich nachweislich positiv auf die mentale Gesundheit aus.

Welche Tipps für eine gesunde Selbstfürsorge im Mama-Alltag hast du? Teile sie doch mit mir in den Kommentaren.

Bis bald,

Sina von Erziehungspoesie

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.