Bindungstheorie

  • theory of attachment

Wissenschaftliche Theorie, die davon ausgeht, das Menschen ein angeborenes Bedürfnis nach intensiven, gefühlsbetonten Beziehungen zu anderen Menschen haben — z.B. zwischen Mutter und Kind.

Die klassische Bindungstheorie wurde in den 1950er Jahren von ihrem Begründer dem britischen Kinderpsychiater und Psychoanalytiker John Bowlby geprägt. Sie bildet noch heute die Grundlage moderner Bindungsforschung und Entwicklungspsychologie.

Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte in überwiegenden Teilen der europäischen Gesellschaften noch ein harscher und von Distanz geprägter Umgang mit Babys und Kindern vor. Die Kindersterblichkeit war extrem hoch und das nicht nur aufgrund von schwierigen Lebens- und Hygienebedingungen. In Waisenhäusern dieser Zeit ließ sich das Dilemma des missverstandenen Kindes hochkonzentriert am weiterverbreiteten Hospitalismus beobachten. Der Großteil der Waisenkindern wies physische und psychische Entwicklungsverzögerungen oder Krankheitsbilder auf.

John Bowlby untersuchte die missliche Lage in Waisenhäusern und kam, unter Einbeziehung neuester Erkenntnisse von Forscherkollegen wie Konrad Lorenz, zu dem Ergebnis, dass auch der Mensch ein Bedürfnis nach Nähe, Ansprache und Zuwendung haben müsse. Die Bindungstheorie war geboren.

Der Kern der Bindungstheorie ist das Konstrukt der Bindung. Bindung ist das gefühlsbetonte Band, dass sich zwischen zwei Personen, bspw. Mutter und Kind, spannt.

Dank der Bindungstheorie wissen wir heute auch, wenn ein Baby weint, dann hat das einen Grund. Das Weinen ist Ausdruck des Bindungsverhaltens. Ein Verhalten, das sicherstellen soll, dass sich um das Kind gekümmert wird und es nicht erfriert, verhungert oder vergessen wird.

John Bowlbys Bindungstheorie ist also der Vorreiter der modernen Bindungsforschung und Ursprung der bindungsorientierten Kindererziehung.