Liebesentzug

  • emotionale Erpressung
  • emotionale Bestrafung

Liebesentzug ist eine Form der Bestrafung in der Kinderziehung, die dazu führen soll, dass das Kind sein Fehlverhalten erkennt und folglich daraus lernt.

Kinder erfüllen die Forderungen der Eltern, in großen Teilen deshalb, weil sie geliebt werden wollen. Erfüllt das Kind diese Forderungen nicht oder ist unartig, kann nun verschieden darauf reagiert werden. Eine Form ist der Liebesentzug. Er kann von den Eltern bewusst oder unbewusst ausgeübt werden.

Liebesentzug kann bereits bei verbalen Äußerungen beginnen wie „Jetzt spreche ich nicht mehr mit dir“, über das „in die Ecke stellen“ oder in der gesteigerten Form des „Wegsperrens“. Das Kind wird also mit Schweigen und Missachtung bestraft. Das Kind soll in dem Moment „in Ruhe“ über sein, in den Augen der Eltern, falsches Verhalten nachdenken und es in Zukunft nicht wiederholen.

Nachdem das Kind die „Strafe“ durchgestanden hat, wird ihm wieder die Liebe der Eltern zuteil. Auf diese Art macht das Kind die Erfahrung, dass es nur geliebt wird, wenn es artig und folgsam ist. Es wird also nicht um seiner selbst willen geliebt. So entsteht bei dem Kind ein Wechselbad an Gefühlen.

Wird ein Liebesentzug dauerhaft als Erziehungsmethode angewandt, kann die langfristige Folge sein, dass sich das Kind generell nicht für liebenswürdig hält, wodurch sein Selbstwertgefühl extrem herabgesetzt wird. Außerdem wird das Sicherheitsgefühl geschwächt und das Kind kann langfristigen seelischen Schaden nehmen.

Dieses Verhalten trägt das Kind dann in vielen Fällen bis in das Erwachsenenalter mit sich. Es fühlt sich in seinem sozialen Umfeld nur akzeptiert, wenn es diesem permanent alles recht macht und seine Aufgaben pflichtbewusst erledigt. So will sich auch der erwachsene Mensch beschützt fühlen. Auf diese Art wird es dieser Person schwerfallen, ein eigenständiger und selbstbewusster Mensch zu sein.

Eine weitere Folge im Erwachsenenalter kann sein, dass das Kind das erlernte Verhalten beziehungsweise das Verhalten der Eltern übernimmt und in seinen späteren Beziehungen und Partnerschaften genauso anwendet. Entweder straft es dann selber andere mit Liebesentzug und Aussagen wie „Wenn du mich wirklich liebst, dann machst du das für mich.“ Auf diese Art werden die Partner unter Druck gesetzt und letztendlich sieht sich der Ausübende selbst in einer Opferrolle, weil er sich nicht verstanden und geliebt fühlt.

Aus diesem Grund ist der Liebesentzug keine angebrachte Art, um Konflikte mit Kindern zu lösen. Viel besser ist es, mit dem Kind zu sprechen, wenn es einen Fehler gemacht hat. Kinder wollen ernst genommen werden und mit den Eltern auf Augenhöhe sein. Durch ein Gespräch erkennt das Kind sein Fehlverhalten als solches, lernt daraus und wird es in Zukunft, mit großer Wahrscheinlichkeit, freiwillig vermeiden.